Wohnzimmer-Encounter oder was bisher geschah…

26 Okt

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Bisher sind im Umfeld von “Sie haben da was” vier Encountergruppen entstanden. Auf We-Space Wochenenden habe ich bisher dreimal ein “Schnupper-Encounter” angeboten. Das bedeutet, das bisher geschätzte 50 Leute in direkte Berührung damit gekommen sind. Durch Gespräche darüber, schätze ich dass sicher 150 Menschen indirekt damit Kontakt hatten.

Im folgenden beschreibe ich Encountergruppen, die ich  Wohnzimmer-Encountergruppen nenne, da sie im privaten Rahmen (eines Wohnzimmers) stattfinden und möchte dieses Modell des Wohnzimmer-Encounters als Orientierungspunkt, vor allem für Neugründungen von Encountergruppen mit relativ unerfahrenen Teilnehmern in einer symmetrischen da wechselnden Moderationsstruktur  anbieten.

Vor allem durch die lange Erfahrung in einer seit Februar 2007 bestehenden Wohnzimmer-Encountergruppe habe ich viel darüber gelernt, welche Probleme in einem solchen Prozess entstehen können und welche Strukturen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Encountergruppe stabil bleibt und nicht zerfällt.

Ich schreibe diesen Text daher, um meine Ideen  für diejenigen einsichtig zu machen, die einen Eindruck bekommen möchten, was in einer Encountergruppe passieren kann.  Noch wichtiger ist es mir aber, meine eigenen Erfahrungen bezüglich günstiger Grundeinstellungen und erfolgreicher Strukturen festzuhalten und damit für neue Encountergruppen zur Diskussion zu stellen.

 

Warum ich in einer Encounter Gruppe bin.

Seit Februar 2007 treffe ich mich alle zwei Wochen mit 8-9 Freunden und wir erzählen uns “etwas mehr als man sich normalerweise erzählen würde”. Begonnen hatte es mit der Frage, warum wir eigentlich immer dann aufhören zu erzählen, wenn es… wenn es…  ja, das ist gar nicht so einfach zu benennen:

Wenn es schwieriger wird? Wenn es Überwindung kostet von bestimmten Themen zu erzählen? Wenn es etwas ist, dass einen verletzlich machen könnte? Wenn es sich blöd anhört? Weil die anderen es ja sowieso nicht verstehen würden?  Weil man den anderen nicht belasten möchte? Weil man denkt, der andere hält es nicht aus? Weil man so etwas ja nicht erzählen kann? Weil einem der andere dann vielleicht nicht mehr mag?

Und doch blieb uns die Überzeugung, dass es schön sein könnte, das Gute im Leben aber eben auch schwierige Erlebnisse und negative Gefühle mit anderen teilen zu können. Dass es sich lohnen könnte, anderen davon erzählen zu können, wovor man Angst hat, wann man sich einsam fühlt oder unsicher und verletzlich. Die provokative Frage, die wir uns gestellt haben, war: was passiert denn, wenn wir uns gegenseitig einen Vertrauensvorschuss schenken und einfach an diesem Punkt nicht aufhören zu erzählen?

Welchen Effekt das auf uns haben würde, konnten wir damals noch nicht abschätzen. Und ich glaube, es hat auf jeden von uns einen anderen. Was mich wirklich erstaunt hat, ist wie stark dieser Effekt ist und in wie viele Lebensbereiche er ausstrahlt.

Mir sind diese Treffen wichtig, weil ich dadurch bei anderen stärker empfinde und mitschwinge. Ich höre, dass es bei anderen im Leben auch schwierige und verzweifelte Phasen gibt und ich höre auch, wenn es sich wieder ändert. Das gibt mir Sicherheit, weil ich mich weniger allein fühle. Es interessiert mich sehr, wie es den Menschen, die ich mag, geht. Ich habe das Gefühl nach einer Zeit einen ganz anderen Menschen zu sehen, einen mit ganz vielen Aspekten. Und einige dieser Aspekte bewegen etwas in mir. Ich verändere mich, wenn ich sehe, wie ein anderer Mensch mit seinen Problemen, seine Plänen, seinem Glück umgeht. Ich empfinde tiefere Zuneigung und Vertrauen zu den anderen, wenn ich sie besser kennenlerne. Und zum Kennenlernen gehören auch die traurigen schwachen Seiten, die die meisten von uns zu verbergen gelernt haben.

Ebenso gibt es mir das Gefühl von Eingebundenheit, wenn ich mitteilen kann, wie es mir geht, was mich beschäftigt oder auch wann und warum es mir schlecht geht. Dazu muss ich persönlich nicht meine tiefsten Geheimnisse auspacken, es reicht, die anderen an meinen alltäglichen Emotionen teilhaben zu lassen.

Ich finde außerdem sehr spannend, was in der Gruppe zwischen den verschiedenen Menschen passiert. Durch die außergewöhnliche und strukturierte Gesprächssituation entsteht ein anderer Austausch, als wenn man sich zu zweit, oder dritt zum Kaffee trifft. Andere Themen kommen zur Sprache und durch die Beteiligung von vielen Eindrücken und Meinungen und durch bestimmte Gesprächsformate entsteht ein breiteres und manchmal kritischeres Feedback. Es geht weniger um Mitleid und Ratschläge oder die Verteidigung der eigenen Standpunkte und mehr darum, die Erlebnisse oder Probleme zu beschreiben oder auch zu kommentieren aber dann auch stehen lassen zu können. Allein durch das Reden darüber, wird vieles klarer und verändert sich.

 

Welche Strukturen haben sich gebildet?

Viele Strukturen sind implizit, d.h. Regeln, die wir gemeinsam über die Zeit entwickelt haben und uns dessen erst später oder auch bisher möglicherweise noch gar nicht bewusst geworden sind.

Einige der inhaltlich wichtigsten Grundsätze sind:

  • Es darf prinzipiell alles gesagt werden. Dabei kann es allerdings auch zu heftigen Reaktionen oder Konflikten und damit verbundenen Konsequenzen kommen. In der Realität wird also nicht alles gesagt werden.
  • Es gibt kein Verhalten, dass ich jemanden vorschreiben kann. Ich kann meine Eindrücke schildern, wie es mir damit geht, was ich nicht verstehe, auf Wunsch des Betroffenen kann ich auch Vorschläge machen, aber ich kann nicht davon ausgehen, dass ich etwas besser weiß als der Betroffene.
  • Was gesagt wird, bleibt im Raum. Dabei gibt es natürlich auch immer einen gewissen Auslegungsspielraum, denn manchmal hat die betroffene Person das starke Bedürfnis von ihrem Erleben oder von dem, was sie von anderen gehört hat, z.b. mit dem Partner oder einer anderen vertrauten Person zu reden. Dabei haben wir vereinbart, dass wir uns gegenseitig vertrauen, verantwortungsvoll mit heiklen Informationen auch in solchen Situationen umzugehen.
  • Wir versuchen uns nicht zu unterbrechen und auch Sprechpausen zuzulassen. Oft ist gerade dann viel Emotion entstanden und die sprechenden Person braucht Zeit, um sich zu sammeln oder Emotionen zu erspüren und zu formulieren.
  • Bei den Treffen haben wir ein striktes Zeitmanagement. Das beginnt mit einem verbindlichen Anfangszeitpunkt einer kurzen Pause und einem Schlusszeitpunkt (ca 3 Stunden später). Während der Treffen finden wiederholt Absprachen in der Gruppe statt, wie wir die uns zur Verfügung stehenden Zeit nutzen wollen. Das bedeutet nicht, dass jeder gleich viel Zeit bekommen muss, eher ist es wichtig, dass jeder die Zeit bekommt, die er oder sie bei diesem Treffen benötigt.

Diese Strukturen sind ebenso wie die Formate einerseits auf den Vorschlag einzelner und vielen gemeinsamen Diskussionen und andererseits aus simplen Ausprobieren entstanden. Einzelne Formate haben wir zu einem beständigen Bestandteil unserer Treffen gemacht. Diese Formate stehen am Ende des Dokuments.

 

Moderation im Gegensatz zur Leitung

Es gibt fast in jedem Moment zumindest einen Moderator, meistens sind es zwei. Das hat den Vorteil, dass die Moderatoren mehr auf den Gruppenprozess achten und die Nicht-Moderatoren sich mehr auf ihre Gefühle konzentrieren können. Wichtig ist, dass alle Interessen Raum bekommen, dass gemeinsam das Vorgehen beschlossen wird und dass Personen, die gerade starke Gefühle haben, seien das Ärger, Trauer, Ablehnung, Angst oder Widerspruch (auch außerplanmäßig und spontan) Platz bekommen, diese Gefühle mitzuteilen. Die Annahme war, dass diese Gefühle, die gerade entstehen so wichtig sind, weil es ja nicht unser Ziel ist, einem vorgezeichneten (Zeit-) Plan zu folgen, sondern gerade an unsere Gefühle anschließen und diese mitteilen wollen.

Ich finde die Art der Moderation am besten, bei welcher der Moderator quasi als Spiegel der Gruppe dient und versucht Prozesse sichtbar zu machen oder wieder in Erinnerung zu rufen. Als Beispiel kann er die zuvor beschlossenen Strukturen umsetzten und den Fokus von einer Person zur anderen verschieben oder z.b. von der Fragephase in die Feedbackphase überleiten. Ebenso wichtig ist meiner Meinung nach aber auch die Spiegelung der momentanen Gruppenprozesse. Das könnte z.B. so aussehen: Ich spüre gerade viel Spannung im Raum. Einige haben zu dem entstandenen Konflikt zwischen uns noch nichts gesagt. Wie sollen wir weiter vorgehen? Brauchen wir eine Verlängerung unserer Diskussionszeit? Es ist sehr wichtig, dass der Moderator aufnimmt, was sich im Raum befindet, zusammenfasst und entweder selbst Entscheidungen trifft oder die Entscheidung an die Gruppe zurückgibt.

Die Moderation wird von wechselnden Personen der Gruppe wahrgenommen. Für ein Treffen bieten sich jeweils zwei Personen an und beschließen gemeinsam, wie sie sich die Moderation aufteilen wollen. Entweder kann es einen Hauptmoderator geben und der zweite dient als Backup, der nur einspringt, falls der Hauptmoderator gerade in seiner Teilnehmerrolle ist oder emotional so beteiligt ist, dass er die Moderatorenrolle nicht mehr ausfüllen kann oder will. Es ist auch möglich, dass die beiden Moderatoren sich die Verantwortung zeitlich teilen, so dass der eine die erste und der andere die zweite Hälfte moderiert. Oder aber die Moderatoren moderieren einfach alles gemeinsam, dann sind allerdings manchmal kurze Absprachen während des Prozesses nötig um die Verantwortung zu klären.

Da der Moderator sich in einer Doppelrolle als Moderator aber auch als Teilnehmer befindet und zwischen diesen Rollen dynamisch hinund herspringen muss, sollte er seine eigene Meinung als solche kennzeichnen, um sie von der Moderation abzuheben.

Jeder in der Gruppe, auch wenn er gerade nicht in der offiziellen Moderatorenrolle ist, kann Moderations-Impulse jederzeit als Vorschlag einbringen, sollte sich dabei allerdings dem Moderator und nicht der Gruppe zuwenden, um den Prozess möglichst einfach und transparent zu gestalten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Gruppe unglaublich effizient zusammen steuert, da jeder naturgemäß andere Prioritäten hat und diese mit einbringt.

Den zweiten Moderator verstehe ich als Sicherheitsnetz. Eine Person kann nie so viel sehen wie zwei. Insbesondere bei einer Diskussion, die einen der Moderatoren persönlich stark emotionalisiert, ist es sehr wichtig, die Moderation abgeben zu können an eine neutralere Person. Außerdem kann die fordernde Moderationsaufgabe, bei der man sich auch weniger auf die eigenen Bedürfnisse konzentrieren kann und vielmehr auf das Zusammenspiel in der Gruppe achtet, einfacher werden, wenn man diese Verantwortung zu zweit trägt oder auch zeitlich aufteilt. Es ist hilfreich, wenn alle Teilnehmer eine den Gruppenprozess stützenden Grundhaltung annehmen und jederzeit nach eigenem Ermessen konstruktive Impulse geben.

 

Verantwortung für mich selbst

Der Grundsatz: Jeder ist für sich selbst verantwortlich und sollte seine eigenen Grenzen kennen und einhalten, hört sich sehr viel einfacher an als es ist.

Mir ist es schon passiert, dass ich viel zu spät gemerkt habe, dass ich meine Grenzen überschritten habe. Das kann z.b. passieren, wenn ich etwas erzähle, weil mich z.b. jemand etwas fragt und mir später wünsche, ich hätte das nicht getan. Schlimmer ist es noch, wenn ein anderer meine Grenzen überschreitet. Das geht meist so schnell, dass man gar nicht halt schreien kann, bevor es passiert ist. Manchmal reicht ein einzelner Satz, der in seiner Tragweite dem, der ihn gesagt hat noch nicht mal bewusst sein muss. Unter Umständen kann das, was ausgelöst wurde, dem Sprechenden selbst nachdem die Grenzüberschreitung stattgefunden hat nicht bewusst werden, weil ihm Informationen über eben diese Grenze beim anderen fehlen. Dann ist es besonders wichtig, zu kommunizieren dass ich gerade verletzt bin, ängstlich wütend oder was auch immer.

Falls diese Grenzüberschreitungen und die damit ausgelösten Gefühle nicht kommuniziert werden, können Reaktionen wie Abgrenzung, Agression oder Flucht entstehen. Damit entziehe ich mich den Anderen, stelle meine (verletzte) Autonomie wieder her und um mich zu stabilisieren, werte ich die anderen und ihren Einfluss auf mich ab. Falls also jemand ein solches (auch schwaches) Signal der Verletzung oder einfach nur starke Emotionalität zeigt, finde ich es sehr wichtig, die Person darauf anzusprechen und ihr falls gewollt Raum zu geben, zu erzählen was gerade geschehen ist.

Ich finde es aber wichtig sich bewusst zu sein, dass gerade in solchen Situationen ich nach wie vor für mich selbst verantwortlich bin und diese Verantwortung nicht an die Gruppe abgeben kann.
Mir hat es anfangs Angst gemacht, mir vorzustellen, ich könnte in eine Abhängigkeit geraten. Das könnte eine Abhängigkeit sein, weil ich mich gezwungen fühle, von bestimmten Themen zu erzählen (so z.B. meiner Beziehung, meiner Trennung, anderen wichtigen Situationen in meinem Leben, von denen die anderen wissen). Es könnte auch sein, dass ich mich an dem Feedback der Gruppe zu stark orientiere, weil mir die Wertschätzung der Personen so wichtig ist und nicht mehr meine eigenen Entscheidungen treffe. Eine Abhängigkeit könnte aber auch in umgekehrter Weise entstehen, indem ich merke , eine andere Person möchte von mir oder von der Gruppe mehr als ich geben kann, wie z.b. eine Lösung für ihre Probleme.

Wichtig ist daher auch der Grundsatz: keine Ratschläge, außer sie sind explizit gewünscht. Und selbst in diesem Fall ist auch die Formulierung wichtig. Denn wenn ich betone, dass “ich an deiner Stelle” aus diesen und jenen Gründen  (und das können sehr individuelle Gründe sein)  diese Entscheidung treffen würde, ist es eine eindeutig subjektive Wertung einer Situation und ich hoffe mein Gegenüber fühlt sich dadurch nicht manipuliert.

Damit bleibt jeder bei sich und seinen Gefühlen. Ich finde es bereichernd, wenn alle Gefühle und Meinungen Platz haben dürfen. Wichtig ist hierbei, dass ich meine Gefühle und Meinungen mitteilen kann, damit aber keiner anderen Person Vorschriften mache und sie auch nicht als Person abwerte, selbst wenn ich bestimmte Dinge nicht nachvollziehen kann oder sogar ablehne. Dies ist oft eine Gradwanderung und kann natürlich im Extremfall auch zu der Feststellung führen, dass zwei Personen wirklich nicht miteinander klar kommen. In letzter Konsequenz können diese dann unter Umständen auch nicht zusammen in einer Encountergruppe sein. In solchen Auseinandersetzungen ist die Funktion der Moderatoren Neutralität zu gewährleisten extrem wichtig.

 

Netzwerk von Freunden im Gegensatz zu Therapie

Ich finde es wichtig, eine Encountergruppe nicht als Ersatz für psychologische Beratung oder Hilfe zu verstehen. Da  es sich um ein Gruppe von Freunden handelt, bei denen die wenigsten oder meist  gar keiner eine psychologische oder psychotherapeutische Ausbildung hat, wird es meiner Meinung nach gefährlich, wenn eine Person in ihrer Autonomie, ihrem Wert oder ihren Handlungsweisen in Frage gestellt wird, indem suggeriert wird, ein anderer oder die Gruppe als Gemeinschaft könne Lösungen bieten. Da es hier auch zu sehr schwierigen und belastet Situation kommen kann, bei denen die Gruppe ihre Grenzen spürt und doch so gerne helfen würde, ist es wichtig, sich dieses Grundprinzip zusammen immer wieder vor Augen führt und im Notfall der Person auch wirklich zu professioneller Hilfe zu raten. Gerade damit erkenne ich die Person in ihrer Autonomie an und kann als Freund da sein.

 

Was passiert, wenn ich nicht mehr in der Encountegruppe sein will?

Es ist klar, dass in schwierigen Zeiten die Reflexion und auch Veränderung alter Strukturen Kraft kostet. Diesen Entwicklungssprozess kann die Encountergruppe unterstützen oder auch einfach mal Stabilität in einer stürmischen Zeit bieten. In Zeiten des Wachstums ist bei der betreffenden Person meist auch in der Encountergruppe der Fokus vielmehr auf das Entfalten des eigenen Potentials gerichtet. Eine mögliche Motivation eine Encountergruppe zu verlassen, ist das Gefühl die Zeit und die Kraft in dieser Lebensphase nicht aufbringen zu wollen oder zu können.

Ein anderer Grund kann die Unvereinbarkeit zweier oder mehrerer Personen sein. Diese kann sich im Verlauf entwickeln und immer mehr verstärken auch weil die Eigenheiten der beiden Personen sich aneinander reiben, beide wirken aufeinander wie ein „rotes Tuch“. Auch wenn die Gruppe viel Zeit und Aufwand betreibt, diesen gegenseitigen Triggerpunkten auf die Spur zu kommen, kann es sein, dass die Gruppendynamik sich zu weit verselbstständigt hat, um dieses Problem in dieser Besetzung zu diesem Zeitpunkt lösen zu können.

Wichtig finde ich in jedem Fall, dass die Person, die sich entscheidet nicht mehr dabei sein zu wollen, das jederzeit tun kann und sich nicht rechtfertigen muss. Da die regelmäßigen Treffen und des gemeinsamen Erleben in der Gruppe wegfallen, ist es wichtig darauf zu achten, dass die Beziehungen die entstanden sind nicht darunter leiden .

 

Formate:

Befindlichkeitsrunde
Hier sagt jeder in selbst gewählter Reihenfolge und mit nur ein zwei Sätzen wie es ihm oder ihr gerade geht. Meist beginnen wir den Abend mit einer Befindlichkeitsrunde. Dadurch dass ich in mich hineinhöre und meine Gefühle im Moment formuliere, werde ich ruhiger und richte meine Aufmerksamkeit auf die Situation und die anderen um mich herum. Oft schließen wir am Ende unserer Treffen noch einmal mit einer Befindlichkeitsrunde. Meist hat sich das Stimmungsbild dann verändert. Es bietet noch einmal die Möglichkeit sehr wichtige Dinge, die passiert sind zu kommentieren, falls diese starke Emotionen ausgelöst haben. Ich finde es  hierbei aber wichtig, sich wirklich auf die Gefühle zu konzentrieren und nicht auf Themen oder Meinungen. Und sich wirklich möglichst kurz zu halten und nicht wieder in eine Diskussion einzusteigen.

Erzählrunde
Etabliert hat sich, dass jeder am Anfang in der “Erzählrunde” zumindest für 5-10 Minuten Zeit bekommt, sich den anderen mitzuteilen. Wir nehmen uns ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen, was in der letzten Zeit wichtig für mich war. Je nach Wunsch machen wir uns dazu auch Notizen. Meist kommen in dieser Runde mehrere Themen pro Person zur Sprache, die zeitintensiveren Themen werden in der kurzen Zeit nur genannt und angerissen. Es fühlt sich gut an, dass jeder zumindest in dieser Zeit  nur von sich erzählt. Zum einen kommen während der Redezeit meist spannende Themen oder Emotionen auf, selbst wenn die betreffende Person anfangs gar nicht wusste über was sie reden möchte. Zum anderen fühlt es sich für alle Beteiligten sonderbar an, wenn einzelne sehr viel und andere gar nichts persönliches erzählen.

Anliegen
Ein zentrales Format ist auch das “Anliegen”. Hierbei bekommen (meist nach der Erzählrunde, die 1,5 Stunden gedauert hat und nach einer Pause von ca 15 Minuten) zwei bis drei Leute länger Zeit, um auf ein Thema einzugehen. Wir vereinbaren meist vorab einen gewissen Zeitrahmen, der erfahrungsgemäß nicht unter einer viertel Stunde liegen sollte. Maximal denke ich, liegen wir bei einer Stunde. Wir bestimmen einen Moderator, die betreffende Person darf sich gerne einen wünschen, oder ein Moderator bietet sich an. Dabei greifen wir meist auf eine der zwei folgenden Formate zurück:

Erzählen und Feedback
Die betreffende Person beginnt ihr Anliegen zu schildern. Sie schildert die Situation so genau, wie sie möchte und wird dabei nicht von den Zuhörenden unterbrochen. Am Ende formuliert sie, vom Moderator unterstützt, welche Frage sie an die Gruppe stellen möchte. Eine mögliche Fragestellung ist z.B: Ich würde gerne wissen, wie das auf euch wirkt, was ich gesagt/getan/gedacht/ gefühlt habe. Oder auch: Was habt ihr denn gehört/ was ist euch aufgefallen, als ich erzählt habe. Danach beginnt die Verständnisfragerunde. d.h. es werden Fragen gestellt, um das Erzählte besser zu verstehen. Wie z.b.: wann/wo/wie ist etwas geschehen? Wie hast du dich gefühlt, als… Hier sollten keine manipulativen oder inhaltliche Fragen gestellt werden, oder Vorschläge in Fragen verpackt werden, wie z.b.: hat das für dich nicht mit…. zu tun?  wäre es nicht gut, dass…? Denkst du nicht, wenn…. dann?  Wenn keine Fragen mehr gestellt werden, schließt sich jetzt eine Feedbackrunde an bei welcher die Anwesenden versuchen, möglichst genau der Fragestellung folgend ihre Meinung, Emotion oder Beobachtung zu formulieren. Die betreffende Person kann, wenn sie möchte auf die Kommentare, die an sie gerichtet sind direkt reagieren. Natürlich ist es auch möglich, einfach nur zu erzählen, ohne Feedback.

Erzählen und aus dem Kreis gehen für das Feedback
Der Ablauf des Erzählens der Fragestellung  und der Verständnisfragen laufen analog zum oben genannten Format ab. Für die Feedbackrunde setzt sich die betreffende Person allerdings außerhalb des Kreises, ohne Blickkontakt zu dem Kreis. Falls gewünscht, kann sie sich diese Person Stift und Papier mitnehmen. Die anderen schließen den Kreis und beginnen in einem lockeren Gespräch darüber zu reden, was sie gehört haben, bzw beantworten und diskutieren die ihnen gestellte Frage.  Der Vorteil hier ist, dass mehr Austausch zwischen den verschieden Sichtweise die im Raum sind, geschehen kann und dass der Betreffende, der nur zuhört und nicht antwortet sich ganz auf seine eigenen Gefühle konzentrieren kann. Danach wird er zurückgebeten in den Kreis und kann erzählen, was ihn bewegt hat und wie es mit dem Feedback geht.

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